Die furchtlose SOE-Agentin, Violette Szabo
“Nun setzt Europa in Brand” — mit dieser Aufforderung gründete Winston Churchill 1940 den britischen Geheimdienst “Special Operations Executive”. Der SOE sollte Sabotageaktionen in den von Nazi-Deutschland besetzten Gebieten durchführen. Auch Violette Szabo gehörte der Spezialeinheit an. Eine Erinnerung an eine mutige Frau, die vor 80 Jahren ermordet wurde.
Juni 1944, Westfrankreich: Ein Citroën fährt eine Schotterstraße zwischen zwei Feldern entlang. Im Wagen sitzen zwei Männer und eine Frau.
Jacques Dufour und Jean Bariaud sind Mitglieder der französischen Résistance. Violette Szabo ist eine englische Agentin, die den Widerstand unterstützt.
Die drei geraten in eine deutsche Straßensperre. Noch während das Auto abbremst, stürzt sich Bariaud aus dem Wagen und rennt davon.
Das Auto kommt zum Stehen. Dufour und Szabo springen heraus und eröffnen das Feuer auf die Deutschen. Die beiden schaffen es, hinter einer Baumgruppe in Deckung zu gehen.
Doch Szabo ist umgeknickt und kann nicht auftreten. Dufour versucht, ihr zu helfen, aber sie fordert ihn auf, zu fliehen. Als sie keine Munition mehr hat, muss Violette Szabo sich ergeben.
Violette Reine Elizabeth Bushell wurde am 26. Juni 1921 nahe Paris als Tochter einer Französin und eines Engländers geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie im Norden Frankreichs und in London.
Violette war ein durchsetzungsstarkes Kind: Sie war sehr sportlich und wusste sich stets gegen ihre vier Brüder zu behaupten.
Mit 14 Jahren verließ sie die Schule. Fortan arbeitete Violette als Verkäuferin in verschiedenen Londoner Kaufhäusern. Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs trat sie in die “Women’s Land Army” ein, für die sie in einem Rüstungsbetrieb arbeitete.
Im Sommer 1940 lernte sie Étienne Szabo, einen französischen Offizier ungarischer Abstammung, kennen. Wenige Wochen später heiratete die 19-jährige Violette den 31-jährigen Offizier.
1941 wurde Étienne zum Kriegseinsatz in Nordafrika einberufen. Violette trat dem “Auxiliary Territorial Service” bei und diente in einer Flugabwehrbatterie.
Im Juni 1942 brachte sie ihre Tochter Tania zur Welt. Nur wenige Monate später erfuhr sie, dass ihr Ehemann während der zweiten Schlacht von El Alamein gefallen war. Er hatte seine Tochter nie kennengelernt.
Im Sommer 1943 wurde Violette Szabo zu einem Gespräch in einer Behörde vorgeladen. Es gehe um ihre Kriegswitwenpension, hatte man ihr mitgeteilt. Der wahre Grund: Der britische Geheimdienst “Special Operations Executive” (SOE) wollte Violette Szabo als Agentin rekrutieren.
Der SOE war von Churchill ins Leben gerufen worden, um den deutschen Besatzern mit Sabotageaktionen zu schaden und lokale Widerstandsgruppen in den besetzten Gebieten zu stärken.
Händeringend suchte der Geheimdienst nach geeigneten Rekrutinnen. Sie mussten mehrere Sprachen beherrschen, körperlich und mental belastbar sein und gewillt sein, ihr Leben zu riskieren.
Ohne zu zögern sagte Violette zu: Nach dem Tod ihres Mannes hatte sie ohnehin nach einer Möglichkeit gesucht, sich aktiv im Kampf gegen die Nazis zu beteiligen.
Sie begann eine mehrmonatige Ausbildung in Schottland. Ein Ausbilder notierte in ihrer Akte:
„Auf Abenteuer und Aufregung aus. Hat reichlich Selbstvertrauen. Nicht leicht aus der Fassung zu bringen.“
Ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter beim SOE beschrieben die 22-jährige, kaum 1,60 Meter große Violette als furchtlos, charmant, aber auch frech.
Im April 1944 folgte Szabos erste Mission: Sie sprang mit einem Fallschirm über dem französischen Loiretal aus einem Flugzeug. Sie sollte herausfinden, wie viele Mitglieder eines lokalen Agentenrings nach einer Verhaftungswelle der Gestapo noch auf freiem Fuß waren.
Nach drei Wochen kehrte sie nach England zurück. Wenige Tage nach der Landung der Alliierten in der Normandie brach Violette Szabo erneut auf:
Sie wurde nahe der Kleinstadt Limoges abgesetzt. Dort erhielt Szabo den Auftrag, die örtliche Résistance dabei zu unterstützen, die deutschen Kommunikationslinien zu stören, die auf die Normandie-Landungen zu reagieren versuchten.
Auf dem Weg zu ihrem Einsatzort geriet das Auto, in dem sich Szabo und zwei Männer der Résistance befanden, in eine deutsche Straßensperre. Nach dem anschließenden Schusswechsel, bei dem die Männer fliehen konnten, wurde Szabo verhaftet.
Sie wurde mehrere Tage lang von der SS unter Folter verhört. Anschließend wurde sie mit zwei weiteren SOE-Agentinnen in das KZ Ravensbrück deportiert.
Anfang Februar 1945 — vor 80 Jahren — wurde Violette Szabo im Alter von 23 Jahren hingerichtet.
Für ihren Einsatz wurde Violette Szabo mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem “George Cross”. Violettes vierjährige Tochter Tania bekam die Medaille 1946 stellvertretend für ihre Mutter von König George VI überreicht.
Schon 1958 wurde die Geschichte von Violette Szabo in Carve Her Name With Pride verfilmt.
Bis bald!
Euer Leo
Die Geschichte einer weiteren SOE-Agentin:
Die wichtigsten für diesen Text genutzten Quellen:
1. Violette Szabo Museum
2. Violette Szabó 1921-1944 - a brief history, Jersey War Tunnels
3. Violette Szabo, Partisanin Seiner Majestät, Deutschlandfunk
Dies ist die 69. Ausgabe von Zeitsprung.





Lese alles mit großem Interesse und freue mich etwas aus der Zeit meiner Jugend zu lesen. 1938 geboren
Danke sehr, Leo!